Berlin, Grömitz, Aalen, Göppingen, Hambacher Forst und Köln!

Nach einer zweiwöchigen Studienpause zwecks Betreuungsreise bzw. Ferienlagervorbereitung geht es wieder los! Diesmal zu Braunkohle-Aktivisten im Hambacher Forst nahe Köln. Wieso sollte sich jemand an Bäume ketten oder tagelang im Wald ausharren? Klimaschutz, Umweltschutz oder auch einfach Gerechtigkeitssinn gegen einen „Energieriesen“, der für „braune“ Energie die Erde zerstört?
Auch haben wir uns mit Nachbereitung der Farge beschäftigt: Was passiert nach dem ReiseUniSemester? Wie können wir Nachhaltigkeit in private Haushalte, Schulen und Universitäten und in die Arbeitswelt bringen? Gründen wir einen Verein, eine Stiftung oder GmbH und setzen dabei unsere Erkenntnisse und Ideen um? Starten wir dafür eine Crowdfunding-Kampagne? Bringen wir uns in Projekte wie Yunity oder TransitionTown ein?
Definitiv wollen wir etwas in der Welt verändern. Und wir freuen uns darauf, unsere Überlegungen bald in der ein oder anderen Form ausgestalten und umsetzen zu können! Auch auf Anregungen, Feedback und direkte Unterstützung eurerseits sind wir sehr gespannt! 🙂

After a Break in our studies for two weeks to work in the social field / prepare a science-camp for children we started traveling again! This time we went to a group of climate-activistists in  the Hambacher Forst near Cologne. What reasons bring people to chain themselves to a tree or wait several days in the forrests on top of a treehouse? Climate Change, Eco-secure or just concerns about the lack of justice concerning a last bit of a really old forest vs. the power of an industrial giant, that destroys the earth for brown energy?
Moreover, we have reworked our several notes and dealt with questions like: what will we do after the TravelUniversity in autumn? How can we bring our ideas and knowledge about sustainability into private households, schools and universities and into daily labour work? We might start a buisness on donation and give workshops or we could set up crowdfunding campaign to create an educational internet-platform and youtube-channel. We could also join active groups and networks like Yunity or the TransitionTown-Movement in Hamburg. Definetely we want to work on changing the world in a responsible way and are excited to bring our ideas into society. We are happy about any kind of support or constructive feedback!

Aktiv ins Handeln kommen!

Wie im letzten Newsletter schon erwähnt gab es Ende Juni eine zweiwöchige Studienpause, in welcher Rea Betreuungsreise mit der Lebenshilfe war, während Johannes sich in der ersten Woche in Berlin mit der Technik unseres Blogs beschäftigt hat (vermutlich ziehen wir bald auf einen eigenen Webspace um) und dann auf ein Vorbereitungstreffen für das „Science Camp“ gefahren ist, wo er Ende August eine Woche lang Kids Ökologie näher bringen wird.
Auf beiden Reisen haben wir uns auch mit Nachhaltigkeitsfragen beschäftigt. Wie kann man Menschen über die Dringlichkeit des Themas informieren und dann anwendungsbetont motivieren? Kinder und Jugendliche, aber auch junge Studierende lernen zwar was ein Ökologischer Fußabdruck ist, aber wirklich umsetzen und am Ball bleiben passiert leider noch zu wenig und verlangt nach geeigneten Lernräumen und Fortbildungen. Auch im sozialen Bereich können so viele Dinge vermittelt und geändert werden! Es braucht neue Berufsbilder, Freiwillige und Mutige die schnelle und effiziente Langzeitlösungen parat haben. Welche Fahrzeuge werden verwendet? Wie klimafreundlich ist der Lebensmittelkonsum (beipielsweise bei Milch und Fleisch)? Wie kann Mülltrennung, Stromversorgung und Heizung ökologischer vonstatten gehen? Wie sieht es beispielsweise mit Alternativen zu herkömmlichen Plastikhandschuhen aus? Gerade in den Gebieten Bildung und Pflege müsste doch genügend Wille und Weitsicht für einen Wandel vorhanden sein, ohne dass dies gleich mit Verzicht auf Lebensqualität gleichgesetzt wird. Neben eigenem Konsum und Verhalten kann selbstverständlich auch in jedem anderen Arbeitsverhältnis was getan werden. Dem Betriebsrat vorschlagen, dass vor allem aus Klimaschutzgründen ein vegetarischer Tag in der Woche cool wäre, Papiersparen nicht nur ökologisch, sondern auch kosteneffizient wäre und sich das Firmendach optimal für Solarenergie eignen würde. Nur so als Anregung für eine gemeinsame bessere Welt. 😉

Nach diesen zwei Wochen im Zeichen sozialer und edukativer Arbeit ging es dann los in die Nähe von Köln zu einer nächsten großen Lernstätte: dem Hambacher Forst. Dies ist ein besetzter Wald, welcher von dem großen Stromanbieter RWE zum Braunkohle-Abbaugebiet gerodet werden soll. Rea wurde von den dortigen Aktivisten eingeladen, einen Circling-Workshop zu halten, und so haben wir den Besuch mit der ReiseUni verknüpft. Mittels Workshop-Reihen, Diskussionsrunden und ausgewählten Filmen haben sich die Leute dort  zwei Wochen lang intensiv mit Teambuilding, Selbstfürsorge und Burnout-Prävention auseinander gesetzt. Wir durften ein Wochenende davon in einer der selbstgebauten Lehmhütten schlafen und waren tagsüber bei anderen Wokshops oder auch beim Retten von Möbeln und Pflanzen aus angrenzenden umgesiedelten Häusern mit dabei. Im Forst haben wir viel diskutiert und über die weitestgehend anarchistisch geprägte Form des aktivistischen Widerstands gelernt. Vorurteile und Unterstellungen wie die eines chaotischen Haufens wilder Linker, welche den Aktivismus vor allem dafür nutzen, unbedacht und mit Feindbildern gespickt ihren Aggressionen Luft zu machen, mussten dabei schnell über Bord geworfen werden. Selten sind uns teils so reflektierte und konsequente Menschen begegnet, die annähernd jeglichen Komfort und viele Teile ihrer Sicherheit aufgeben, um sich sich für Ideale wie Klima- und Umweltschutz aktiv einzusetzen. Im bedrohten Waldgebiet wurden unter anderen mehrstöckige Baumhäuser gebaut, sich in der Rodungszeit mit ausgeklügelten Systemen an Bäume gekettet, Schnellwarnsysteme über Seilkonstruktionen errichtet, Barrikaden gebaut, selbstgemalte Bilder und Mitteilungen an die Bäume geklebt und auf Wachtürmen viele Nächte lang aufgepasst. Auf der angrenzenden bewohnten Wiese gab es neben Lehmhütten auch eine Küche, eine ausgeklügelte Wasserversorgung inkl. Badehaus, ein Versammlungsgebäude aus Holz, einen Freeshop (Umsonstladen), ein Infohaus, eine Fahrradleihstation und selbstgebaute Kompostklos, um für die Grundbedürfnisse der Wiesenbewohner zu sorgen. All dies mit eigenen Händen und Köpfen und zusätzlichem gespendeten Baumaterial errichtet. Auf unserem Blog bald mehr dazu inkl. vieler toller Bilder. 🙂
Am letzten Tag haben wir dann noch bei einem informativen, vierstündigen, geführten Waldsparziergang mitgemacht. Ein Teil der Wanderung führte uns an das 8kmx10km große gerodete Kohleabbaugebiet, welches wie eine Wunde in der Erde wirkt und in der rund 100-köpfigen Gruppe interessierter Besucher für erschreckend drückende Stimmung sorgte. Durch Glück fanden wir dabei gleich eine Mitfahrgelegenheit nach Pulheim bei Köln, wo wir ein paar Tage ausspannen und Köln besuchen konnten: Foodsharing-Verteiler, Tauschkreisel und der KlimaKreisKöln standen an.
Insgesamt blieb uns viel Zeit zum Reflektieren, Nachbearbeiten und für die Frage: Wie geht es nach dem ReiseUni-Semester im November weiter? Gründen wir einen Verein oder eine GmbH und setzen uns für Klimaziele, für mehr Konsumbewusstsein und einen sozialen Wandel in der Welt ein? Starten wir eine Crowdfunding-Kampagne und setzen für eine unserer zahlreichen entwickelten Projektideen wie der eines „Centi-Grundeinkommens“ (mehr dazu in den nächsten Tagen im Blog) in die Tat um? Bringen wir uns in die TransitionTown-Bewegung ein, halten nebenbei Workshops zu grüner Energie oder gehen von Tür zu Tür und beraten auf Spendenbasis Haushalte, ihre Ressourcen besser zu nutzen, Energie zu sparen und sich mit ihren Nachbarn zu vernetzen? Vielleicht machen wir auch eine Stiftung auf und vernetzen und unterstützen die kennengelernten Projekte möglichst effektiv. Dafür wollen wir bald unsere gesammelten Kontakte und Projektinfos auswerten, alle zusätzlichen Notizen zu virtuellem Papier bringen, den Blog übersichtlicher gestalten und auch endlich Videos machen.
Viele Ansätze, welche alle lohnend und reizvoll erscheinen, aber so oder so eure Unterstützung brauchen. Schaut ab nächster Woche gern mal auf unserem Blog unter dem Stichwort „Ideen“ vorbei und gebt uns Feedback hierzu. Wie sind gespannt und voll motiviert, ab Herbst was auf die Beine zu stellen! Gerne auch mit euch! 🙂

Nun haben auf wir jedenfalls wieder drei Tage „Pause“ in Hamburg, bis es wieder losgeht. Diesmal zu einem Klimaexperten nach Frankfurt und danach ins Sauerland, Johannes Familie besuchen.

Liebe Grüße von der ReiseUni, heute aus Hamburg
Euer ReiseUni-Team Rea und Johannes

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