Ein ♥liches Moin ihr Lieben!

Ich heiße Fiona, bin 24 Jahre alt und komme aus Bremen. So fängt mensch doch einen Vorstellungstext an oder? Ebenso wie dieses Gefloskel und das Reduzieren von menschlichen Individuen auf ihre „Eckdaten“, hinterfrage ich gerade so Einiges was auf dieser Welt passiert. Und das war leider nicht immer so.

Mein Abitur habe ich brav gemacht, den Führer*innenschein gleich hinterher und dann fix eine Ausbildung als Schauwerbegestalterin angefangen, damit Mama und Papa sich bloß keine Sorgen machen und eine einfache Antwort parat haben, wenn die Kolleg*innen fragen, was denn die einzige Tochter so treibt. Mittlerweile müssen meine Eltern etwas weiter ausholen, wenn sie jemandem erklären wollen, was ich denn so treibe, aber ich habe Glück mit meinen Eltern. Sie kommen zwar nicht ganz hinterher, aber üben sich in Geduld, Verständnis und sogar Interessiertheit, wenn ich neue Themen bei ihnen anschleppe. Ob Klimagerechtigkeit, Veganismus, Antifaschismus, alternatives Wohnen & Reisen, Polyamorie oder dem Entlarven von Alltagsrassismus und –sexismus.

Angefangen hat eigentlich alles mit unserer Umwelt, es ging irgendwie nicht in meinen Kopf rein, warum die Menschheit die Natur zerstört oder andere Lebewesen verspeist. Also habe ich aufgehört Fleisch zu essen und angefangen damit, alles zu hinterfragen. Oder zumindest sehr viel. Genug um das System in dem wir leben anzuzweifeln und nicht nur nach Alternativen zu suchen, sondern damit anzufangen sie zu leben.

Seit fast drei Jahren habe ich nun keinen festen Wohnsitz mehr und hangle mich durch die Bandbreite des sozial-ökologischen Wandels. Es ist unglaublich, was für tolle und bunte Menschen es gibt, welche Ideen nur darauf warten umgesetzt zu werden und was für ein Potential da überall schlummert. Ein schöner Nebeneffekt dieser Entdeckungsreisen ist, dass mensch auch seinem*ihrem eigenen Potential auf die Schliche kommt. Dem Potential, das durch das einheitliche Bildungsraster gepresst, kaum die Chance hatte, sich zu entfalten. Und wie wunderbar es doch ist, etwas zu lernen, worauf du wirklich Lust hast! Vielleicht sogar ganz nebenbei, so ging es mir oft beim Unterwegssein.

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Aber wohin unterwegs eigentlich? So genau weiß ich das gar nicht, aber ich war lange nicht mehr für mehrere Wochen an einem Ort, wie ich gerade Corona sei Dank feststelle. Vor diesem Frühling stand eigentlich immer irgendwas an: Ob Klimacamps, Austauschtreffen in Wohngemeinschaften, Aktionen des zivilen Ungehorsams, Workshops und Fortbildungsreihen, politische Bildungsarbeit, Praktika oder das Besuchen von lieben Menschen, ein kurzfristiges Ziel gab es immer. Und langfristig? Ich wünsche mir so sehr, dass die Bewohner*innen dieser Erde es gemeinsam schaffen die Klimakrise nachhaltig und sozialverträglich in den Griff zu bekommen, gerne alle anderen Problematiken, die ja auch damit zusammenhängen gleich mit. Und ich habe das Gefühl, dass ich mit jeder kleinen Reise, dieser großen Utopie irgendwie auf meine Art näherkomme.

Selbstverständlich ist das Ganze, wie so vieles, auch mit Enttäuschungen und Rückschlägen verbunden, mit Selbstzweifeln und Phasen, in denen ich einfach müde bin und mich frage, ob wir das alles schaffen können. Da kommt dann die ReiseUni ins Spiel, die ich noch nicht so lange kenne aber trotzdem mitgestalten kann. Es tut einfach gut, sich mit Menschen auszutauschen, die gerade ähnliche Pläne verfolgen und sich gegenseitig unterstützen. Der Reisesommer, wie wir ihn uns eigentlich vorgestellt hatten, sieht jetzt wohl anders aus, aber dazu später mehr …

Was mir noch wichtig ist anzumerken, ist, dass ich als weiße, nicht eingeschränkte, deutsche Cis-Frau aus einer „Friede Freude Eierkuchen“ Akademikerfamilie natürlich aus einer sehr privilegierten Position schreibe und meine Art zu schreiben vielleicht manche Begriffe beinhaltet, die ergooglet, beziehungsweise ercosiat werden wollen. Das selbst für mich zu reflektieren und zumindest in einen Kontext zu setzen finde ich sehr wichtig und soll auch ein Teil meiner Reisen und zukünftiger Texte sein.

Vielen Dank fürs Lesen und Mitwirken an einer solidarischen, bunten und neu gedachten Welt! ♥