Aus dem Archiv meines alten Blogs kommt nun ein weiterer Beitrag, der auch hervorragend hierher passt. Viel Spaß beim lesen, euer Johannes


Per Anhalter fahren, mitgenommen werden, den Daumen rausstrecken, Hitchhiking, Trampen, alles verschiedene Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache.

Beim Trampen geht es um das kostenfreie mitgenommen-werden von (eher) fremden Personen in einem Verkehrsmittel. Primär also in PKW und LKW, aber auch in Bussen und Bahnen, selbst Schiffe und Flugzeuge sollen möglich sein! 🙂

Die meisten Leute kennen es, vielleicht hat es der ein oder andere auch schon ausprobiert?

Ich reise fast nur noch per Anhalter, die schnelle Reise, die tollen Menschen, die spannenden Geschichten und auch die Diskussionen über meine Themen mit Leuten, die aus ganz anderen Kreisen kommen und ganz andere Argumente haben. Ich liebe es!

Aber fangen wir vorne an: Angefangen habe ich im Frühjahr 2015, am 21. Mai, genau an dem Tag nach meiner mündlichen Prüfung und somit dem Ende meines Bachelor-Studiums.

Meine Schwester hatte mir erzählt, dass Trampen super funktionieren würde, ich sollte mir einfach eine Tankstelle, oder noch besser eine Raststätte, suchen. Dann müsse ich nur noch die Leute freundlich fragen, ob sie in meine Richtung fahren und mich mitnehmen könnten.
Und ich musste ins Sauerland, meine alte Heimat, um dort einigen Papierkram zu erledigen…

Gesagt getan: Was meine kleine Schwester kann, kann ich schon lange!
Mit dem Semesterticket zu einem Bahnhof gefahren, von wo ich zur Raststätte laufen konnte, kurz tief durchgeatmet, alle dämlichen Ängste über Bord geworfen und losgefragt!
Und mit Erfolg: Direkt die Ersten haben mich mitgenommen.
Ein junger Student, der zwei weitere Leute als „Mitfahrgelegenheit“ mitnahm.
Und für mich war noch Platz. Year!

So bin ich blitzschnell von Mainz nach Kamen gekommen, und es war ein guter Tag! Noch bevor ich das dortige Möbelhaus betreten konnte, um mir einen kostenfreien Kakao zu gönnen, traf ich am Ausgang eine alte Freundin wieder.
Diese packte mich kurzerhand ein und nahm mich mit in Richtung alte Heimat.
Die letzten paar Dörfer noch den Daumen rausgehalten, und schon war ich schneller als die Bahn mich gefahren hätte in Bruchhausen im Sauerland, und meine Oma staunte nicht schlecht, als ich in ihrem Garten stand. 🙂

Und ja, so einfach ist es eigentlich immer. Es gibt viele Leute, die sich darüber freuen, jemanden mitzunehmen, sei es, weil sie selber mal getrampt sind und etwas zurückgeben möchten oder weil sie jemandem zum Reden möchten, oder weil sie Kinder haben, die selbst trampen und sich an diese erinnert fühlen. Oder schlicht aus Interesse daran, was ich so mache.

Also traut euch, ihr lernt tolle Menschen kennen, ihr kommt kostenfrei und schnell zu eurem Ziel und ihr nutzt die Ressourcen besser aus und helft so mit, dass sich die Welt ein bisschen länger dreht.

Wer mehr Tipps und Erfahrungsberichte möchte,
sollte in die Hitchhiking-Wiki schauen: Hitchwiki.org
Eine eigene Wiki für Tramper mit toller Karte, auf der jeder passende Orte zum Trampen eintragen kann, mit vielen tollen Tipps zu Städten und Ländern.
Wenn ich eine Reise an neue Orte plane, schaue ich meistens dort hinein und suche einen guten Startort und schreibe mir gute Zwischenhalte heraus.
Auch solltet ihr euch eine Autobahnkarte besorgen: Entweder klassisch auf Papier oder wie ich, als PDF auf dem Smartphone:
Auf Autobahnatlas-online.de findet ihr passende Karten!

Der vielleicht wichtigste Tipp: Nur keine Vorurteile!
Ich bin schon mit griesgrämigen Rentnern, Müttern mit kleinen Kindern, Geschäftsleuten, Engländern und Chinesen, Villenbesitzern und Porschefahrern, Punks und Hippies gefahren, einfach nett fragen, klappen kann alles, und das Äußere sagt (fast) nichts aus. 🙂

Aber Sicherheit geht vor: Höre auf dein Bauchgefühl!
Steig nur dort ein, wo du dich wohl mit fühlst, sprich lieber selber Menschen beim Tanken an, als den Daumen rauszuhalten und plane besonders am Anfang genug Zeit ein, um nicht doch im Stress vielleicht nicht mehr auf dein Gefühl zu hören.

Und als  letzter Tipp: Manchmal lohnt es sich, in die falsche Richtung zu fahren, um auf eine andere Raststätte zu kommen. Eigentlich kann man immer irgendwie auf die andere Seite laufen.

Irgendwo gibt es irgendwann immer jemanden, der dich an dein Ziel bringt.

Vielleicht sieht man sich ja mal auf einem Rastplatz.
Liebe Grüße, euer Johannes

DSCI0271 DSCI0272 DSCI0255
So schön kann Trampen sein! Rastplätze in Österreich, der Schweiz und am Bodensee

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