Unser ReiseUni Sommer letztes Jahr war sehr aufregend und wir haben aus Zeitgründen nur einen Bruchteil dokumentiert. Gerade befinden wir uns in der Vorbereitungsphase für unseren nächsten Sommer und möchten gleichzeitig unsere vergangenen Erlebnisse rekapitulieren.

In der zweiten Juni Woche letzten Jahres hatten wir eine Verabredung, auf die wir uns schon sehr freuten. Wir trafen uns mit Sylvia, einer guten Freundin von Julia und einer Expertin auf dem Gebiet Wildpflanzen. Seit zwei Jahren ernährt sich Sylvia ausschließlich, mit ein paar Ausnahmen, von dem, was ihr die Natur schenkt. Das heißt Pflanzen, Nüsse, Fallobst, Samen und Wurzeln gehören zu ihrem täglichen Speiseplan. Abgesehen davon, kauft sie noch verschiedene Öle, Essig und Salz zu, um ihre Wildpflanzen Gerichte schmackhafter zu machen. Als Wildkräuter Newbies fassten wir den Plan, es ihr für 4 Tage gleich zu tun und versuchten uns ausschließlich vom Wald zu ernähren. Dazu bauten wir uns ein schönes Lager, im Saum des Waldes, nur durch eine

IMG_3160
unser gut verstecktes Lager

kleine Wiese von einem Wanderweg getrennt. Unser Camp bestand aus zwei Zelten und unserem Tarp. Unser Lager war, trotz der Nähe zur Zivilisation, sehr geschützt und obwohl wir unsere Zelte und das Tarp vom Weg aus erkennen konnten, hat uns niemand bemerkt. In dem einem Zelt wohnte Sylvia und in dem anderen Mirka und Sabine, zwei Frauen, die ebenfalls sehr in Kräuter interessiert waren.. Sabine ist, genau wie Sylvia, eine Teilnehmerin der Kräuterausbildung von Adelheid Lingg. Ein Ausbildungsblock fand dort am Wochenende davor statt, dies war auch der Grund warum wir uns im schönen Allgäu getroffen haben. Mirka war eine neue Freundin von Sabine. Gemeinsam waren sie auf der Suche nach einer passenden Lebensgemeinschaft und haben sich kurzfristig zu uns dazu gesellt.

Die ersten zwei Tage erkundeten wir die Gegend, machten Salate aus Brennesseln, Knoblauchsrauke, Gundermann und vielen anderen Wildkräutern und lernten auch ein paar neue Pflanzen, wie die Teufelskralle, den Wiesenkümmel, die Kuckucks Lichtnelke, Arnika, die Sterndolde und noch ein paar mehr kennen.

IMG_3209
Wildkräutersalat + gesammelte Spitzwegerichsamen

Außerdem ließ uns Sylvia daran teilhaben, wie sie ihre Blütenessenzen herstellt. Für die Herstellung von Blütenessenzen muss der Himmel mindestens für 6-7 Stunden vollkommen wolkenfrei und blau sein. Um die passenden Blüten zu finden, machten wir einen kleinen Spaziergang. Den ersten Stopp legten wir bei der wilden Möhre ein. Wir versammelten uns alle um ihre Blüten und jeder ließ sie für ein paar Minuten in Stille auf sich wirken. Anschließend tauschten wir uns über unsere Assoziationen aus, welche dann auch die Wirkungsweisen, der daraus hergestellten Essenz darstellen. Auf diese Weise sammelten wir noch ein paar weitere Blüten ein. Wir legten jede Blüte in ein durchsichtiges Glas mit ein wenig Quellwasser und stellten die Gläser in die pralle Sonne. Wichtig ist, dass die ganze Zeit kein Schatten auf die Essenzen fällt, die Gläser bleiben dann für mindestens 6 Stunden dort stehen. Die Schwingungen der Blüte gehen während dieser Zeit ins Wasser über und die fertige Essenz wird danach mit reinem Alkohol aufgestreckt, um das ganze haltbar zu machen.

Tatsächlich schafften wir es auch, die kompletten zwei Tage nur Kräuter in verschiedenen Variationen, pur, mit Öl angemacht im Salat und in Breiform, zu essen. Doch schon am Abend des zweiten Tages, rebellierten unsere Mägen und bei dem Gedanken an Wildkräuter lief uns ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Am dritten Morgen hatten wir die Wahl: entweder weiterhin Kräuter oder nichts zu essen. Um etwaiges Erbrechen vorzubeugen entschieden wir uns für letzteres, mit dem Gedanken, dass fasten ja auch gesund sei…

Wir aßen also den ganzen Tag nichts und versuchten dennoch produktiv zu sein: Für den Aufstand, ein Jugendfestival der NaJu bereiteten wir einen Vortrag über die ReiseUni vor. Dies klappte mäßig und endete in hitzigen Diskussionen und Streit. Der Hunger entzweite uns und wir waren zu kraftlos um etwas voran zu bringen. Völlig ausgehungert und verzweifelt beschlossen wir am Abend unser Fasten zu brechen. Wir liefen ins Dorf und beendeten den Tag mit zwei Portionen Pommes und Weißbier bei einem Blasmusikkonzert. Demotiviert aber dennoch belustigt von unserem Naiven Versuch von der Natur zu leben. Wir hatten schon davor von Rohveganern gehört, dass es ein langer Weg ist seinen Körper an Wildkräuter zu gewöhnen. Dies bestätigte auch Sylvia, unsere Meisterin: Nur langsam steigerte sie die Menge an Wildkräutern und senkte sie die Menge an gewöhnlicher Nahrung, die konsumierte. Schritt für Schritt näherte sie sich damit ihrer aktuellen Ernährungsweise.

Und so gestalteten wie die letzten 2 Tage ganz undogmatisch mit Käsebroten,

IMG_3203
Voidi beim Trinkwasser holen

Wildkräutersalaten und Bachwasser. Leider fiel uns am letzten abend auf, das Valentin einen riesigen roten Fleck hinten auf dem Rücken hatte. Es stellte sich als ein Borreliose Symptom heraus, was dann auch die Erklärung für den heftigen und kurzen Grippeanfall von ihm eine Woche davor war. Valentin trägt den Borreliose Erreger jedoch ohnehin schon seit er 5 Jahre alt ist in seinem Körper, also war es nicht weiter schlimm. Er ließ sich gezwungenermaßen Antibiotika verschreiben und nahm diese die nächsten zwei Wochen brav ein. Es war für uns eine wichtige und spaßige Erfahrung. Die größten Erkenntnisse waren, dass wir am eigenen Leib gespürt  haben, dass der Körper keine Maschine ist und es sehr wichtig ist, sich jeden Abend nach Zecken abzusuchen.
Wir danken Sylvia, Sabine und Mirka für diese schöne Zeit!

IMG_3219

Advertisements