Wie kann man mit Vorurteilen gegenüber anderen Religionen und Kulturen aufräumen? Was kann man für eine sichere Flüchtlingsroute tun? Kann man behinderte und nicht-behinderte Menschen im alltäglichen Leben irgendwie näher zusammenbringen? Was bedeutet es, ein Kind kurz vor oder nach der Geburt zu verlieren? Und müsste nicht auch etwas für Senioren getan werden, deren Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe begrenzt und dadurch von Vereinsamung bedroht sind?

Mit diesen und vielen weiteren gesellschaftlichen Fragen für ein friedvolles und soziales Miteinander beschäftigen sich Organisationen und Initiativen, die sich für den diesjährigen Smart Hero Award beworben hatten. „Smart“ steht dabei für Social Media für Anerkennung, Respekt und Toleranz. Der Wettbewerb, der gemeinsam von Facebook und der Stiftung Digitale Chancen durchgeführt wird, fand in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt und stand unter dem Motto „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“.

Ausgezeichnet wurden Organisationen, Initiativen, Projekte und Personen, die die sozialen Medien – wie z.B. Faceook und Youtube – klug für ihre jeweiligen Ziele einsetzen und so für eine positive Entwicklung in der Gesellschaft und der Welt beitragen. Schirmherrin des Wettbewerbs ist die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Brigitte Zypries, welche eine sehr erbauliche Begrüßungsrede zur Eröffnung der Verleihung hielt. Sie befürwortete den Award, da er in Zeiten der vielen Negativmeldungen ein positives Pendant darstelle, denn er unterstütze zu begrüßende Entwicklungen und stelle die helle, positive Seite der sozialen Netzwerke dar. Die sozialen Netzwerke, so Zypries weiter, böten diesen Projekten und Beiträgen eine Plattform und machten diese damit sichtbar(er).

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Brigitte Zypries bei der Begrüßungsrede. Foto: Robert Felgentreu

Vergeben wurde der Preis in vier Kategorien plus einem Publikumspreis, über den jeder auf der Homepage des Awards abstimmen konnte. Dotiert war jede Kategorie mit einem Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro. Und das waren die diesjährigen Kategorien:

  • Für eine offene und pluralistische Gesellschaft – Gegen Ausgrenzung
    Projekte und Initiativen, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzen.
  • Stark sein, trotz …
    Projekte und Initiativen, die sich für und mit Menschen mit Erkrankung, Behinderung und anderen Handicaps engagieren.
  • Einsatz für die Rechte von …
    Projekte und Initiativen, die sich für die Rechte von bestimmten Gruppen einsetzen.
  • Generationsübergreifendes Miteinander
    Projekte und Initiativen, bei denen sich junge Menschen für und mit älteren Menschen engagieren sowie solche, bei denen sich ältere Bürgerinnen und Bürger für und mit jungen Menschen engagieren.

Insgesamt wurden ca. 300 Beiträge eingereicht. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren durch ein Expertengremium wurden schließlich die Nominierten festgelegt: aus den 300 Beiträgen kamen so 13 in die Endauswahl.

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Für richtig gute Stimmung zwischen den einzelnen Kategorien sorgte die Band „The Trouble Notes“.

Und was soll ich sagen, letzten Endes sind diese 13 auch alle Gewinner. Zum „Glück“ geht es hier um den „klugen Einsatz“ der sozialen Medien. Diesem „klugen Einsatz“ wurden verschiedene Kriterien zu Grunde gelegt, wie z.b. Idee und Konzept, Zielgruppenansprache, Wirksamkeit, Kreativität sowie Nachhaltigkeit der Initiativen und Projekte. Denn inhaltlich und damit unabhängig von den Kriterien, so fand ich, waren alle vorgestellten Beiträge grandios gut und sehr, sehr wertvoll für unsere Gesellschaft.

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Mit dem Preisträger der Kategorie „Für eine offene und pluralistische Gesellschaft – Gegen Ausgrenzung“ Younes Al-Amayra von „Datteltäter“.

Zu jeder Kategorie wurden Videoeinspieler aller Nominierten gezeigt, die Einblicke in ihrem täglichen Tun zeigten und ihre jeweiligen Ziele nochmal kurz darstellten. Anschließend kamen die Nominierten auf die Bühne und Moderatorin Janine Steeger tauschte mit allen ein paar Worte und so erfuhren wir Zuschauer noch einmal mehr zum Hintergrund oder aktuellen Herausforderungen der Organisationen. Mich persönlich haben durch die Bank ALLE Projekte berührt und begeistert. Und einmal mehr erkannte ich, wie viel es einerseits zu tun gibt in unserer Gesellschaft und wie viel andererseits aktuell auch schon getan wird! Hierzu sagte Brigitte Zypries für mein Empdinfen sehr treffend: es wird hier ins Bewusstsein geholt, wie viel Gutes doch auch in unserer Welt geschieht. Ich finde es wichtig, sich das auch immer wieder zu vergegenwärtigen um sich nicht von kollektiven Ohnmachtstendenz hinfort spülen zu lassen und damit höchstens noch zu lamentierender Untätigkeit fähig zu sein.

Projekte wie

  • Jugend Rettet e.V.,  bei dem sich junge Leute Boote mieten, um in Seenot geratene Flüchtlinge auf dem Meer zur Hilfe zu kommen,
  • Wohn:Sinn, eine Plattform sowie Begleitung für Wohngemeinschaften in denen behinderte wie nicht behinderte Menschen gemeinsam leben,
  • Kulturisten Hoch 2, welches altersame Senioren mit Schülern zusammenbringt, so dass Jung und Alt gemeinsam Kulturveranstaltungen besuchen, oder
  • Dein Sternenkind, bei dem Fotografen ehrenamtlich Bilder von den kurz vor, während oder nach der Geburt verstorbenen Babys zur Trauerbewältigung für die Eltern machen,

zeigen, wie vielfältig gesellschaftliches Engagement ist, gebraucht wird und auch angenommen wird. Denn keine der vorgestellten Organisationen kann sich über Langeweile beschweren. Ganz im Gegenteil. In einem kurzen Austausch mit Frau Worch von den Kulturisten erfuhr ich, dass die bisher in Hamburg tätige Organisation ihr Model auf andere Städte übertragen wollen. Dein Sternenkind will, laut Fotograf  und Koordinator Uwe Hoffmann, die Zahl der Einsätze, die ohnehin schon deutschlandweit statt finden, weiterhin erhöhen.

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Mit den Preisträgern der Kategorie „Stark sein, trotz…“ Pierre und Tobias von „Wohnsinn.“

Dass Facebook Mitausrichter des Wettbewerbs ist und der Award politisch unterstützt wird, wird durchaus auch kritisch gesehen. So hatten die Publikumspreisgewinner aus dem letzten Jahr, die Hooligans gegen Satzbau, das Preisgeld nicht angenommen und es an die ebefalls nominerte Organisation Enough is enough weiter gegeben. In ihrer Rede bei der Verleihung – damals stand der Award unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig – kritisierten sie, dass die Awardausrichter einerseits Hasskommentare auf ihrer eigenen Seite unkommentiert stehen ließen, und die Arbeit der Hooligans überflüssig wäre, wenn die Politik ihrer Arbeit gewissenhaft nachginge. Und andererseits fanden sie die Auszeichnung durch Facebook und, durch die mit diversen Politikern besetzten Jury auch irgendwo durch die Politik, „absurd“. Denn die „Hooligans“ selbst wären bisher wiederum (möglicherweise mehrmals), gesperrt und gelöscht worden.

Ich begrüße es, die Dinge auch immer wieder kritisch zu hinterfragen und ein Statement mit Begründungen öffentlich zu formulieren. In meinem Weltbild hat jeder seine guten Gründe, warum er etwas tut oder nicht tut. Und gleichzeitig bemühe ich mich stets, die Dinge aus dem Auge des „großen Ganzen“ zu betrachten. Und aus dieser Sicht kann ich mich den Worten der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Digitale Chancen, Jutta Croll, anschließen. In einem Interview mit Eva-Maria Kirschsiper von Facebook im Nachgang der Verleihung sagte sie: „[..] wir wollen, dass die Leute das verstehen und nutzen, was man mit dem Internet alles tolles anfangen kann.“

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Beim anschließenden meet& greet bei Facebook – hier mit Kai Gebel von „Dein Sternenkind“ vor der „analogen“ Facebookwand… (Fotograf: Robert Felgentreu)
resieuni war hier klein
… verewigte ich die ReiseUni. 🙂

Ich selbst sehe hier meine Sicht auf das Internet generell und auch auf den Award bestätigt: nämlich als Chance auf eine positive und nachhaltige Veränderung der Dinge. Man kann vermutlich fast alles in der Welt für eine positive ODER negative Entwicklung nutzen. So wie z.B. die Atomwissenschaft Fluch (Atombomben, radioaktiver Restmüll usw.) und Segen (Nuklearmedizin, Stromversorgng usw.) gleichzeitig ist, dient auch das Internet je nach Einstz als Instrument für ein friedvolles oder weniger friedvolles soziales Miteinander.

Ohne das Internet und den sozialen Medien im Speziellen, könnte z.b. Dein Sternenkind niemals so viele Menschen erreichen, wie sie es derzeit tun. Denn laut dem Initiator und diesjährigen Publikumspreisträger Kai Gebel von Dein Sternenkind, ist Facebook das Mittel Nr. 1 um voran zu kommen. Der Award, so bin ich mir sicher, untersützt dieses Bestreben nach Vorankommen. Und das ist einfach wunderbar.

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Mit dem Gewinner des Publikumspreises: Uwe Hoffmann von „Dein Sternenkind“

 

Text von Britta. Das Titelbild ist vom Fotografen Robert Felgentreu. Alle anderen Fotos sind ebenfalls von Britta und wurden mit ihrem Fairphone aufgenommen.

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