Das Thema „Permakultur“ ist für uns persönlich einer der wichtigsten Punkte unserer Studiengänge „Wahre Freude“ und „Autarkes Leben“. Bisher haben wir es auf unserer Sudienreise noch nicht geschafft, uns mit dem Thema in voller Intensität auseinanderzusetzen. Glücklicherweise besuchten wir nun jedoch einen tollen Einführungs-Workshop bei unserer Freundin Melea Menzinger in Hamburg und näherten uns so dem Thema erstmalig im Rahmen unserer Studiengänge an.

Doch was ist Permakultur überhaupt?

Permakultur ist ein ganzheitliches Konzept, entworfen von Bill Mollison und David Holmgren, zur Entwicklung einer nachhaltigen Kultur, in der der Mensch wieder in die Natur und seine restliche Umgebung integriert wird.
Hauptinhalte der Permakultur sind das Bereitstellen von Werkzeugen und Methoden, die helfen sollen, ein funktionierendes Kreislaufsystem zu erschaffen. Dieses System basiert auf Beobachtungen von Funktionsweisen der Natur: also  wie sich Leben entwickelt, organisiert und erhält. Ausgehend von diesen Beobachtungen designt man ein Konzept zur Gestaltung seines Garten oder Bauernhofs; das Beobachtungsprinzip der Permakultur lässt sich aber auch auf alle anderen Bereiche des Lebens, wie soziale Strukturen und auch das individuelle Berufs- und Privatleben übertragen.

Unsere Gastgeberin Melea belegte zwei Kurse zum Thema Permakultur, unter anderem Bild könnte enthalten: 1 Person, Pflanze, Blume und im Freieneinen klassischen Permakultur-Design-Kurs als Einführung in die Perma- und Mischkultur und zusätzlich einen Kurs über Gärtnern nach Charles Dowding.
Charles beschäftigt sich nicht explizit mit Permakultur, allerdings verfolgt er die Philosophie des “no dig gardening”, also des Gärtnerns ohne Umgraben, was auch ein Teil der Permakultur ist. Zurzeit wohnt Melea bei ihren Eltern, dessen Garten sie als Abschlussarbeit und Übungsfeld ihres Design Kurses gestaltete. Elemente ihres Design-Konzepts sind der Vorgarten, das Beerenparadies, ein Teich, ein Hügelbeet in Schlüssellochform, ein Geodome, mehrere Kompostarten, eine Rasenfläche mit Feuerstelle und Beete und Büsche am Rande des Gartens. Ihr Konzept des Gartens designte sie nach Permakultur Manier aus den Gegebenheiten und dem Kompromiss ihrer Interessen und denen ihrer Eltern. Für Melea war es der erste Tagesworkshop, den sie gegeben hat und somit auch eine neue Erfahrung für sie.

Als wir bei Melea zusammen mit ein paar weiteren Teilnehmern ankamen, gab es erstmal einen gemütlichen Kaffee- und Tee-Empfang im Vorgarten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einem Kennenlernspiel, begannen wir den Workshop mit den theoretischen Grundzügen hinter der Permakultur. Diese lassen sich in drei sogenannte Ethiken und die zwölf Prinzipien unterteilen. Zur Erstellung folgender Auflistung wurde nicht nur unser Wissen aus dem Workshop, sondern auch ein Arbeitsblatt der Permakultur-Akademie herangezogen:

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Theoriestunde auf der Terrasse

Die drei Ethiken

 1. Earth care: Achtsamer Umgang mit der Erde
Die Erde als Grundlage für alles Leben wird geschätzt und respektiert. Der Mensch wird als Teil dieses Lebens verstanden und nicht separat betrachtet

2. People Care: Achtsamer Umgang mit den Menschen
Die Menschen entwickeln Gemeinschaften, in denen sie sich gegenseitig unterstützen und helfen. Basis dieser Gemeinschaften bilden Lebensweisen, die unserer Erde nicht schaden

3. Fair Share: Selbstbegrenzung und Überschussverteilung.
Ressourcen sollen aufgrund ihrer Begrenztheit gleichberechtigt, sinnvoll und klug verteilt werden.

Die 12 Prinzipien:

  1. Beobachte und interagiere:
    Gegebenheiten wie Sonne, Schatten, Wind, PH-Wert, Gefälle, Tiere und Pflanzen beobachten und versuchen zu verstehen, warum sie in dieser Ausprägung vorzufinden sind. Diese Beobachtungen sind die Basis für alles weitere Handeln im permakulturellem Sinne 
  2. Energie auffangen und speichern:
    Energie in der Natur wie Wasser, Sonne und Artenreichtum auffangen und speichern. Ein Teich zum Bespiel ist ein Energiespeicher: er speichert Regenwasser und die Wärme der Sonne, erhöht die Artenvielfalt und reflektiert Licht
  3. Ernten:
    Erschaffe einen Mehrwert in dem was du tust, zum Beispiel in Form von Erfahrungen, Essen, aber auch Geld. Dieser Mehrwert soll nicht nur dem Menschen, sondern auch allen anderen Teilnehmern des Öko Kreislaufs dienen.
  4. Selbstregulation integrieren und Feedback akzeptieren:
    Ein gutes Design sollte möglichst wenig Eingriffe und Pflege benötigen. Es geht auch darum, den Menschen und ihren Strukturen zu mehr Selbstregulation und damit Autarkie zu verhelfen. DIe Selbstregulation findet auf der menschlichen Ebene über Feedback statt.
  5. Erneuerbare Energien und Dienstleistungen
    Unter Erneuerbaren Energien versteht man in der Permakultur Energien, die innerhalb einer angemessenen Zeitspanne durch natürliche Prozesse erneuert oder ersetzt werden. Erneuerbare Dienstleistungen werden als Dienstleistungen von Pflanzen, Tieren oder Wasser gesehen, ohne dass diese konsumiert werden. Hier als Beispiel zu nennen sind: Hühner, sie scharren im Boden, lockern diesen so, düngen ihn mit ihrem Kot. Auch Eierschalen und Federn können als Dünger genutzt werden. Beinwell, er zieht Nährstoffe aus einer Tiefe von ca 2 Metern, er kann abgeschnitten werden, als Mulch und Dünger aufs Beet gestreut werden und wächst wieder nach (Cut and Drop Prinzip).
  6. Produziere keinen MüllVersuche möglichst alles zu recyceln, kompostieren oder eine andere Verwendung dafür zu finden. Beispielhaft sind hier Komposttoiletten, alte Weinflaschen als Wegbegrenzung und Earthships. “You don’t create waste in permaculture, you just move resources from one place to another” Zitat von Unbekannt.
  7. Designe von Muster zum Detail
    Erst die grobe Struktur eines Designs erstellen und sich dann erst Schritt für Schritt in den Details verlieren. Oft entwickeln sich komplexe Systeme aus funktionierenden, einfachen Systemen.

  8. Intergriere anstatt zu separieren
    Separieren kostet immer Energie, zum Beispiel die Trennung von Rasen und Beet. Bilden von Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen, denn die Verbindungen der einzelnen Elemente sind genauso wichtig, wie die Elemente selbst. Schließe keine Tiere wie Schnecken aus deinem System aus und versuche ihren Nutzen zu erkennen. Auch das Integrieren in bereits vorhandene Strukturen wie Dorfgemeinschaften ist hier gemeint.
  9. Nutze langsame und kleine Lösungen
    Kleine und langsame Lösungsansätze sind oft effektiver, nachhaltiger und verändern das ansonsten funktionierende System weniger. Zum Beispiel ist es sinnvoll, bei einem Läusebefall Marienkäfern und anderen Fressfeinden der Läuse Lebensraum durch Totholz zu bieten und damit den Läusebefall langfristig zu regulieren, statt kurzfristig Pestizide zu versprühen. Natürlich dauert diese Lösung seine Zeit, manchmal mehrere Jahre, aber sie ist effektiv und unterstützt gleichzeitig das Ökosystem.
  10. Nutze den Rand und schätze ihn
    Die Ränder von zwei Ökosystemen sind permakulturell gesehen sehr interessant. Eine große Vielfalt und mehr Leben ist dort zu finden, als in den einzelnen Ökosystemen. Das kann man schön beobachten am Übergang von Feld zu Wald, der eine Vielzahl an Wildkräutern beherbergt oder von Teich zu Land, der durch seine Feuchtigkeit geprägt, vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. 
  11. Nutze Vielfalt
    Je vielfältiger ein Ökosystem ist, desto stabiler ist es auch. Jedoch kommt es eher auf die Vielfalt an nützlichen Beziehungen und Verbindungen der einzelnen Teilnehmer an, als auf die bloße Anzahl. Monokulturen, als Negativbeispiel, sind sehr anfällig für Krankheiten und Schädlinge, da die Nutzpflanze keine Unterstützung für die Bekämpfung durch andere Arten erhält.
  12. Auf Veränderung kreativ reagieren und sie nutzen
    Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Auch in einem Ökosystem finden Veränderungen statt und Modelle die sich bewährt haben, können zu einem späteren Zeitpunkt durch neue Bedingungen überholt sein und müssen angepasst werden.

 

Die 12 Prinzipien wurden von Melea sehr anschaulich und mit vielen Beispielen erklärt. An den Theorieteil schloss sich der praktische Teil, beginnend mit einer Beobachtungsübung, an, bei der sich jeder einen Platz im Garten suchte und alles, was in 20 Minuten beobachtet wurde aufschrieb. Julia beobachtete den Übergang zwischen Teich und Wiese, Valentin setzte sich ins Beerenparadies im Vorgarten.

Nach einem köstlichen Essen, bestehend aus hauseigenem Salat, Hummus, Linsensuppe und Brot besprachen wir die einzelnen Beobachtungen während wir durch den Garten zogen.

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Besprechen der Beobachugsübung
Abschließend „pikierten“ wir ein paar Jungpflanzen aus dem Geodome, einem modernen, kuppelartigem Gewächshaus. Pikieren ist der Vorgang des Umpflanzens in einen größeren Topf. Das Vorziehen von Pflanzen im Gewächshaus und das anschließende Pikieren hat den Vorteil, Pflanzen schon früher im Jahr aussäen zu können und sich aus den heranwachsenden Pflanzen immer die stärksten auszusuchen, um diese dann zu kultivieren.
Außerdem säten wir noch ein paar Radieschen, rote Beete und anderes Gemüse.

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pikieren

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Brennnessel Mulch
Man merkte, dass Melea Herzblut in ihr Gartenprojekt rein gesteckt hat, obwohl von Anfang an klar war, dass dieser durch Umbaumaßnahmen am Haus nur ein kurzes Projekt werden wird. Vor dem Baustart möchte sie noch ihren Garten für viele Menschen zugänglich machen und ihr Wissen zu dem Thema weiter geben. Melea gestaltete den Workshop sehr souverän, man merkte ihr nicht an, dass es der erste seiner Art war. Mit ihrer ruhigen und sanften Art erklärte sie ihre Idee hinter dem Garten und die Fehler, aus denen sie gelernt hat, sehr gut und es machte Spaß ihr zuzuhören. Am Ende durften sogar noch 2 Tage bei ihr übernachten und halfen ihr ein wenig im Garten. Dabei stellten wir Brennessel-Mulch her, jäteten Unkraut und machten zwischendurch ein schönes Lagerfeuer.

Danke an Melea für die schöne Zeit! Wir würden uns über einen weiterführenden Permakultur Workshop sehr freuen.

Sehr zu empfehlen ist an dieser Stelle auch Meleas Blog, auf dem sie über Permakultur, ihre Reisen und andere Projekte schreibt:

http://www.salientia.de

 

 

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