Um den Lehmbau zu vertiefen haben Julia und Ich (Valentin) noch 11 Tage lang eine andere Lehmbaustelle, die Öase in der Nähe von Dresden, besucht.

Die Öase ist keine gewöhnliche Lehmbaustelle, sondern ein neuer, gemeinnütziger Verein. Im Vordergrund stehen neben Seminaren gemeinsame Aktionen, wie Gärtnern, Musizieren und Bautage. Die Öase umfasst ein Fachwerkhaus von 1748 mit einem Hektar Ackerland. Gerade wird das denkmalgeschützte Fachwerkhaus auf traditionelle Weise kernsaniert und das Grundstück zudem in einen Gemeinschaftsgarten mit Streuobstwiese verwandelt. Betrieben wird dieses Projekt von den Brüdern Valentin und Moritz Richter, deren Vater das Haus und Grundstück kaufte und 8 weiteren mehr oder weniger aktiven Verreinsmitgliedern. Entscheidungen werden Valentin arbeitete ein halbes Jahr in der Denkmalpflege, um sich das Wissen für die Renovierung des Hauses anzueignen und machte ein FÖJ auf der Johannishöhe, einem Selbstversorgerhof. Ziel des Vereins Öase ist es nämlich auch, den Hof, zu einem Selbstversorgerhof umzugestalten.

Einen großen Teil der für das Haus notwendigen Renovierungsarbeiten bildet der Lehmbau. Die Gefache des Hauses, sprich die Hohlräume zwischen den Balken eines Fachwerkhauses, enthalten teilweise noch uralte Lehmfüllungen und müssen dringend ausgebessert werden. Dazu klopften wir den alten KalkPutz ab, brachen lose Lehmstücke heraus und füllten die enstandenen Löcher wieder auf. Anschließend verdichteten wir. Verdichten ist beim traditionellen Lehmbau A und O; am Anfang wie am Ende, denn Lehm hat die Eigenschaft zu schwinden. Genauer gesagt, der durch das Wasser aufgequollene Tonanteil in der Lehmmischung schwindet beim Trocknungsvorgang. Deswegen nimmt man bei der Verdichtung und dem Auffüllen von Löchern auch sehr mageren, also sandigen Lehm, um den Schwund so minimal wie möglich zu halten und so neuen Fugen zwischen Balken und Lehm vorzubeugen.

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Ein Fach mit verdichteten Fugen
Der verwendete Lehm wird aus einem Wald neben einer stillgelegten Kiesgrube geholt. Lehm war damals ein Abfallprodukt bei der Gewinnung von Sand aus der Grube und ist dort deshalb in ziemlich reiner Form zu finden. Die Lehmmischungen werden in der Öase auch ganz traditionell mit Strohfasern, also klein geriebenes Stroh versetzt. Zum Glück werden diese nicht so traditionell – also durch tagelanges Stampfen des Lehm-Stroh-Gemischs – sondern mit einer Rührmaschine hergestellt.

Solch ein Gemisch trugen wir dann, nur mit einem Reibebrett gewappnet, auf die Gefache auf. Dabei stellten wir fest, dass sich Lehm mit Strohfaser gemischt ganz anders verhält: Der Lehm lässt sich viel dicker Auftragen, besser modellieren und reißt nicht so schnell. Die Fasern verzahnen sich durch das abschließende Reiben und der Lehm ist deshalb viel stabiler. Neben Sand mischten wir noch ein weiteres Mineral  hinein: Perlit ist gepufftes Vulkangestein und durch sein geringes Gewicht erhöht er die Dämmfähigkeit der Wand enorm. Von der Verarbeitung her machte dies aber keinen großen Unterschied.

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ein kleiner Einblick in die Baustelle

Julia verließ die Baustelle schon vier Tage vor mir um an einem Frauenkreis teilzunehmen. Während ihrer Abwesenheit ging es auf der Baustelle richtig rund. Nicht weil sie endlich weg war, sondern weil wir täglich Zuwachs bekamen. Christiane, unsere Gastgeberin aus Oberwartha, war zu Besuch gekommen und brachte noch zwei gestrandete, polnische Tramper mit sich. Diese arbeiteten am nächsten Tag wie die Verrückten und schmissen den ganzen Laden. Sie entfernten den gesamten Putz und verdichteten die Fugen von einem kompletten Raum. Dazu kam noch die Hilfe von drei, teilweise vier weiteren Freunden von Valentin hinzu. Gemeinsam verputzen wir ein ganzes Zimmer. Ein Gefache mussten wir sogar von Grund auf neu mit Lehm füllen, da dort der Lehm nichts mehr taugte. Hierfür füllten wir die Lücken zwischen den Starken (Holzbretter, die zwischen die Balken eines Faches geklemmt sind) von beiden Seiten gleichzeitig vorsichtig auf. Am folgenden Wochenende war ein Garten-Aktionstag geplant und es reisten noch ein dutzend Leute an um mitzuhelfen. 

Unsere Fähigkeiten mit Lehm zu arbeiten haben sich um ein paar Facetten erweitert. Wir können nun auch nach alter Manier ein Gefache verputzen, unser Gefühl für Lehmmischungen hat sich verbessert und unser Modelliervermögen gesteigert. Ecken und Kanten sind – zumindest mit einer Mischung mit Strohfaser – jetzt kein Problem mehr.

Neben dem Gelernten hatten wir außerdem eine schöne Zeit mit Valentin. Gemeinsam gingen wir auf zwei Partys: eine Drum&Bass-Party in Dresden und ein Festival in Dittersbach – das  absolute Feier-Highlight unserer Lehmbauzeit! 🙂 Dieses ungewöhnliche Festival ging das ganze Wochenende bis zum Montag, 1. Mai, und fand in einer alten industriellen Mühle statt. Das schöne Gelände war aufgekauft und zu einem Wohnprojekt umgebaut. Von vielen Personen wurde uns dieses Fest ans Herz gelegt, denn dort kommt die alternative Szene aus der ganzen Region zusammen. Auch wenn unser Musikgeschmack nicht ganz getroffen wurde, war die Atmosphäre einmalig. Es gab ein Menschen-Kicker, eine Bauwagen-Sauna und ein riesiges Maifeuer. Auf fünf Floors lief die unterschiedlichste Musik und alles war sehr liebevoll dekoriert.

Wer Interesse hat, sich mit der Renovierung eines alten Fachwerkhauses zu beschäftigen, zu gärntern, sich mit Selbstversorgung ausseinanderzusetzten  oder einfach nur vorbeizuschauen und derweil mit lässigen Leuten abzuhängen, ist in der Öase herzlich willkommen: Helfer werden mit offenen Armen empfangen!

Bei Interesse, kontaktiert die Öase unter: http://www.oease.de

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Ein verdichtender Veudi mit Draht vor dem Gesicht
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